Photo: urtimud.89 / Pexels / Pexels LicenseÖsterreich und Italien — Ötztal und Passeier
Timmelsjoch und Jaufenpass mit dem Motorrad: vom Ötztal nach Südtirol
Höhepunkte
- Die Timmelsjoch-Hochalpenstraße auf 2.474 m an der Grenze
- Die steile Südrampe mit Kehren und unbeleuchteten Felstunneln
- St. Leonhard im Passeiertal
- Der Jaufenpass (2.094 m) mit seiner langen Kurvenfolge hinunter nach Sterzing
- Die alte Brennerstraße und als Variante das Kühtai zurück ins Ötztal
Timmelsjoch und Jaufenpass gehören zusammen. Das Timmelsjoch bringt dich vom Ötztal über den Alpenhauptkamm nach Südtirol, der Jaufen führt vom Passeiertal über einen niedrigeren, aber viel kurvigeren Rücken nach Sterzing. Mit der alten Brennerstraße und dem Rückweg durch Tirol wird daraus eine Runde von rund 240 Kilometern, die zweimal die Grenze quert und sich keine Minute nach Transitstrecke anfühlt. Für viele ist sie die schönste Tagestour der Ostalpen.
Anreise und Standort
Aus Bayern fährst du über Garmisch und den Fernpass oder über die Inntalautobahn ins Ötztal. Für Autobahn und Schnellstraßen in Österreich brauchst du eine Vignette, prüf die aktuellen Regeln bei der ASFINAG. Der beste Standort ist das obere Ötztal: Von Sölden, Obergurgl oder Hochgurgl aus bist du morgens als einer der Ersten an der Mautstelle. Wer aus dem Süden kommt, wohnt in St. Leonhard in Passeier oder in Meran und fährt die Runde andersherum.
Die Runde
Sölden zum Timmelsjoch (rund 30 km). Hinter Sölden steigt die Straße bis Zwieselstein, wo der Abzweig nach Obergurgl liegt. Du hältst dich rechts Richtung Hochgurgl und zur Mautstelle der Hochalpenstraße. Direkt daneben steht Top Mountain Crosspoint mit einem großen Motorradmuseum, ein guter Plan B für einen verregneten Morgen. Danach ist die Straße breit und gut ausgebaut, mit langen Bögen über kahle Hochweiden bis zur Passhöhe auf 2.474 Metern an der Grenze. Oben stehen Museumspavillons über dem Abgrund, und bei klarem Wetter schaust du direkt hinunter nach Südtirol.
Timmelsjoch nach St. Leonhard (rund 30 km). Mit der Grenze ändert sich alles. Die italienische Seite fällt viel steiler ab, in engen Kehren, dann durch eine Reihe kurzer Felstunnel, einige davon unbeleuchtet und mit rauem Boden. Nimm die Sonnenbrille vor dem ersten Tunnel ab. Unterhalb von Schönau und Rabenstein wird die Straße ruhiger, und über Moos in Passeier rollst du nach St. Leonhard, dem Hauptort des Tals und Heimat des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer. Hier gibt es Kaffee und eine Tankstelle.
Über den Jaufenpass nach Sterzing (rund 40 km). Gleich hinter St. Leonhard beginnt der Anstieg zum Jaufen. Die Westseite ist bewaldet, steil und voller Kehren, weiter oben öffnet sie sich zu Almwiesen. Die Passhöhe auf 2.094 Metern hat eine Hütte und an sonnigen Wochenenden sehr viele Motorräder. Die Ostseite hinunter nach Sterzing ist das, wovon alle erzählen: eine lange Kette von Kurven am Hang, die du unter dir liegen siehst, mit gutem Belag und meist guter Sicht. Sie ist auch bei Autos und Wohnmobilen beliebt, also fahr dein eigenes Tempo.
Über den Brenner nach Innsbruck (rund 50 km). Von Sterzing nimmst du die alte Brennerstraße statt der Autobahn. Sie läuft neben der A22 und der A13, ist mautfrei, ruhiger und schöner und steigt sanft zum Brennerpass auf rund 1.370 Metern. Auf der österreichischen Seite geht es über Steinach und Matrei hinunter nach Innsbruck.
Zurück ins Ötztal (rund 90 km). Der schnelle Weg führt durch das Inntal nach Ötztal-Bahnhof und das Ötztal hinauf über Oetz, Umhausen und Längenfeld nach Sölden. Schöner ist die Variante über das Kühtai: von Kematen durch das Sellraintal hinauf zum Kühtaisattel auf gut 2.000 Metern und auf der anderen Seite hinunter nach Oetz. Das kostet etwas mehr Zeit, macht aus der Heimfahrt aber einen dritten Pass.
Maut, Zeiten und Regeln
- Maut: Die Timmelsjoch-Hochalpenstraße ist auf österreichischer Seite eine private Mautstraße, mit eigenem Tarif für Motorräder. Der Jaufenpass ist mautfrei.
- Öffnungszeiten: Die Mautstraße ist nur tagsüber offen und nachts geschlossen. Prüf die aktuellen Zeiten auf timmelsjoch.com, wenn du früh oder spät fahren willst.
- Autobahnen: Österreichische Autobahnen brauchen eine Vignette, die Brennerautobahn kostet zusätzlich Streckenmaut, die italienische Autobahn Maut an der Zahlstelle. Die alte Brennerstraße vermeidet beides.
- Lärm in Tirol: Wer die Tour mit dem Hahntennjoch oder dem Lechtal verbindet: Dort dürfen in der Saison Motorräder mit einem eingetragenen Standgeräusch über 95 dB(A) nicht fahren. Prüf deine Papiere und die Seite des Landes Tirol.
Wann fahren?
Das Timmelsjoch ist eine Saisonstraße. Es öffnet meist zwischen Ende Mai und Mitte Juni und schließt im Oktober, je nach Schnee, und es kann bei Unwetter jederzeit kurzfristig gesperrt werden. Der Jaufen ist länger offen, kann aber ebenfalls bei Schnee oder Sturm schließen. Verlässlich ist das Fenster von Ende Juni bis September. Prüf am Morgen den Straßenstatus beim Betreiber und bei der Verkehrsmeldezentrale Südtirol. Oben ist es oft 15 Grad kälter als in Meran, eine warme Schicht gehört immer ins Gepäck.
Für wen ist die Tour?
Die österreichische Seite des Timmelsjochs ist eine Musterstraße und für alle machbar. Die italienische Seite ist schmaler, steiler und rauer, mit Steinschlagnetzen, Tunneln und Kehren, in denen ein großer Tourer vollen Lenkeinschlag braucht. Der Jaufen hat guten Belag, aber im Juli und August viel Verkehr und Radfahrer auf beiden Rampen. Wer die ersten Alpenpässe vor sich hat, übt vorher am Großglockner. Mit Sozius und Gepäck ist alles fahrbar, auf der Südrampe des Timmelsjochs aber anstrengend, also lieber leicht packen und den Rest im Hotel lassen.
Gut zu wissen
- Tanken: Auf beiden Pässen gibt es keine Tankstelle. Voll tanken in Sölden, St. Leonhard oder Sterzing.
- Gefahren: Kühe auf den hohen Abschnitten beider Pässe und Schotter an den Tunnelportalen.
- Pausen: Das Museum an der Mautstelle, die Passhöhe des Timmelsjochs, St. Leonhard, die Jaufenhütte und die Altstadt von Sterzing.
Wie viele Tage?
Die Runde passt in einen Tag, wenn du früh startest. Schöner sind zwei: am ersten Tag Timmelsjoch und Passeiertal mit Übernachtung in St. Leonhard oder Meran, am zweiten Tag der Jaufen am frühen Morgen, bevor der Verkehr kommt, und über Brenner und Kühtai zurück ins Ötztal. Mit einem dritten Tag hängst du von Meran aus den Vinschgau und das Stilfser Joch an, oder du fährst von Sterzing über das Penser Joch nach Bozen, einen weiteren Pass mit ganz eigenem Charakter.
Kombinieren
Von Meran ist es nicht weit nach Westen zum Stilfser Joch, und nach Osten über Bozen in die Dolomiten. Wer aus dem Allgäu anreist, findet die Strecke dorthin in unserer Motorradtour durch das Allgäu.
Übernachten
Sölden, Obergurgl und Längenfeld im Ötztal sind die einfachsten Standorte auf österreichischer Seite, siehe die Motorradhotels in Tirol. Auf der italienischen Seite passen St. Leonhard und Moos in Passeier, Meran und Sterzing, siehe die Motorradhotels in Norditalien.
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