Die schönsten Motorradstrecken in Deutschland
Deutschland hat keine Dreitausender, aber es hat etwas anderes: eine enorme Dichte an guten Motorradstraßen. Vom Harz im Norden bis zu den Allgäuer Pässen im Süden liegt fast jedes große Revier weniger als einen Tag von dir entfernt, egal wo du wohnst. Diese Rangliste zeigt die 20 Strecken, für die sich die Anfahrt am meisten lohnt.
Die Reihenfolge ist eine Empfehlung, kein Gesetz. Ganz oben stehen die Strecken, die für sich allein eine Reise wert sind. Weiter unten folgen Straßen, die du am besten mit einer Tour in der Nähe verbindest. Zu jeder Strecke findest du einen Tipp, den passenden Tourguide und Motorradhotels in der Region.
1.Schwarzwaldhochstraße
B500, Baden-Baden bis Freudenstadt · Schwarzwald · rund 60 km
Die bekannteste Motorradstraße Deutschlands, und sie hält, was ihr Ruf verspricht. Die B500 läuft auf dem Kamm des Nordschwarzwalds, breit, gut überhöht und fast ohne Ortsdurchfahrten. Am Mummelsee und am Schliffkopf schaust du über die Rheinebene bis zu den Vogesen. Sie ist keine Kehrenstrecke, sondern eine zum Fließenlassen, und genau deshalb fährt man sie immer wieder.
Tipp: Vor 9 Uhr starten und auf die vielen Kontrollen achten. Das Murgtal macht aus der Strecke eine Runde.
2.Deutsche Alpenstraße
Lindau bis Berchtesgaden · Bayerische Alpen · rund 450 km
Die einzige Route, auf der du in Deutschland tagelang Alpenluft hast. Vom Bodensee bis zum Königssee reiht sie Allgäu, Werdenfelser Land, Tegernsee und Chiemgau aneinander, mit Seen, Schlössern und den besten Bergstraßen des Landes. Am schönsten in drei Etappen mit jeweils einer Übernachtung.
Tipp: Die Kesselbergstraße hat zeitweise Sperrungen für Motorräder bergauf. Vor der Fahrt die aktuellen Zeiten prüfen.
3.Oberjochpass (Jochstraße)
Bad Hindelang bis Oberjoch · Allgäu
Über 100 Kurven auf wenigen Kilometern: Die Jochstraße hinauf nach Oberjoch ist die kurvenreichste Straße Deutschlands und eine der schönsten. Gut ausgebaut, mit weiten Blicken ins Ostrachtal. Unten in Bad Hindelang ist der Treffpunkt für alle, die sie mehr als einmal fahren wollen.
Tipp: Starker Ausflugsverkehr am Wochenende, regelmäßige Kontrollen. Unter der Woche fahren.
4.Okertal, Torfhaus und Bodetal
B498, B4 und die Straßen um Thale · Harz
Der Harz bietet auf engem Raum alles, was Norddeutschland sonst fehlt: das Okertal mit Kurven am Fluss, das Hochplateau bei Torfhaus mit dem Brocken vor dir, die Serpentinen zum Hexentanzplatz und das enge Bodetal bei Treseburg. Zusammen eine Tagesrunde, die man nicht so schnell vergisst.
Tipp: Im Okertal und auf der B4 wird oft geblitzt. Nach Regen liegt im Wald Schmutz von Holzlastern.
5.Eifelstraßen rund um den Nürburgring
Rund um Adenau und Nürburg · Eifel
Rund um die Nordschleife liegen einige der besten Landstraßen Westdeutschlands: breite Hochflächenstraßen um Kelberg, das Ahrtal mit seinen Weinbergen und die stillen Maare bei Daun. Adenau am Fuß der Strecke ist das Bikerstädtchen der Eifel, mit Kneipen, Werkstätten und vielen Unterkünften für Ring-Fans.
Tipp: Bei den Touristenfahrten auf der Nordschleife sind Motorräder derzeit ausgeschlossen. Trainings und Termine für Motorräder stehen auf nuerburgring.de.
6.Rossfeld-Panoramastraße
Oberhalb von Berchtesgaden · Berchtesgadener Land
Die höchstgelegene mautpflichtige Panoramastraße Deutschlands führt auf rund 1.600 Meter. Oben fährst du direkt an der Grenze zu Österreich, mit dem Watzmann auf der einen und dem Salzburger Land auf der anderen Seite. Ein würdiges Finale für die Deutsche Alpenstraße.
Tipp: Mautpflichtig. Früh am Morgen ist das Licht am schönsten und die Straße am leersten.
7.Moseltal
B49 und B53, Koblenz bis Trier · Mosel · rund 190 km
Die Genießerstrecke: Der Fluss windet sich in Schleife um Schleife, die Weinberge stehen fast senkrecht, und alle paar Kilometer kommt ein Weinort mit Fachwerk und Burg. Die Uferstraße ist entspannt, die Kurven warten auf den Serpentinen hinauf in Eifel und Hunsrück.
Tipp: Ab Ende August sind Traktoren unterwegs. Am Wochenende Cochem und Bernkastel-Kues meiden.
8.Riedbergpass
Obermaiselstein bis Balderschwang · Allgäu
Mit gut 1.400 Metern die höchste Passstraße Deutschlands. Steil, eng, mit einigen knackigen Kehren und einem echten Alpengefühl. Kein Pass für Tempo, sondern einer, auf dem du merkst, dass du in den Bergen bist.
Tipp: Im Frühjahr länger Schnee als im Tal. Mit schwerem Gespann oder Sozius die Steigung nicht unterschätzen.
9.Sauerländer Seenroute
Biggesee, Sorpesee, Hennesee · Sauerland
Das Revier für Ruhrgebiet und Rheinland: Stauseen in fast jedem Tal, dazwischen bewaldete Höhen und Landstraßen mit flüssigen Kurven im dritten und vierten Gang. Ideal für den Saisonstart und für Gruppen, mit dem Hennesee bei Meschede als zentralem Standort.
Tipp: Viele Kontrollen und Lärmdisplays. Leise fahren hält die Strecken offen.
10.Sudelfeld
Bayrischzell bis ins Inntal · Oberbayern
Kehren, weite Almen und der Blick auf den Wendelstein: Die Straße über das Sudelfeld ist eine der bekanntesten Bikerstrecken Oberbayerns und von München in gut einer Stunde erreichbar. Zusammen mit Spitzingsee und Tegernsee eine perfekte Halbtagesrunde.
Tipp: Schwerpunkt für Polizeikontrollen, auch mit Lärmmessung. Am Wochenende früh fahren.
11.Arberstraße und Lamer Winkel
Bodenmais, Großer Arbersee, Lam · Bayerischer Wald
Vom Glasort Bodenmais durch dichten Fichtenwald hinauf zum Großen Arbersee unter dem höchsten Berg des Bayerischen Waldes, dann in immer engeren Kurven hinunter nach Lam. Rund um Lam, Arrach und den Scheibensattel geht es danach in kurzen Waldanstiegen weiter, mit kaum Verkehr und ohne einen Meter Geradeaus.
Tipp: Im Schatten bleibt die Straße nach Regen lange feucht. In der Dämmerung auf Wild achten.
12.Oberes Donautal
Sigmaringen bis Fridingen · Schwäbische Alb
Die Donau hat sich tief in den Kalk gegraben: weiße Felswände, Burgen auf den Felsen und eine Straße, die eng am Fluss klebt. Über Thiergarten und Beuron mit seinem Kloster bis Fridingen. Vom Knopfmacherfelsen hast du einen der schönsten Blicke Süddeutschlands.
Tipp: Im Sommer viele Radfahrer und Kanuten. Lieber gemütlich als schnell.
13.Feldbergstraße
B317, Titisee bis Todtnau · Südschwarzwald
Die B317 klettert vom Titisee über den Feldbergpass, unter dem höchsten Berg des Schwarzwalds, und fällt dann in engen Kurven hinunter nach Todtnau. Kürzer als die B500, aber technisch die bessere Strecke. Von Todtnau aus geht es weiter über das Wiedener Eck ins Münstertal.
Tipp: Die nahe Schauinslandstraße ist in der Saison an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt.
14.Schwarzatal und Rennsteig
Masserberg, Schwarzburg, Bad Blankenburg · Thüringer Wald
Der Thüringer Wald ist ruhiger als Harz und Sauerland, und seit die A71 den Durchgangsverkehr schluckt, sind manche Kammstraßen fast leer. Höhepunkt ist das Schwarzatal zwischen Schwarzburg und Bad Blankenburg: eng, felsig und kurvig, mit dem Fluss direkt neben der Straße.
Tipp: Oben auf dem Kamm sind Tankstellen selten. In Ilmenau oder Saalfeld voll tanken.
15.Wiesenttal
B470, Ebermannstadt bis Pottenstein · Fränkische Schweiz
Die B470 folgt der Wiesent durch ein enges Kalktal, mit Felstürmen, Burgruinen und Höhlen links und rechts. Über Streitberg, Muggendorf und Tüchersfeld bis Pottenstein, dazu die kurze, enge Kurvenfolge hinauf nach Gößweinstein. Abends wartet ein Bierkeller, wenn das Motorrad steht.
Tipp: An sonnigen Wochenenden voll und stark kontrolliert. Der nahe Würgauer Berg (B22) ist am Wochenende für Motorräder gesperrt.
16.Honauer Steige und Albtrauf
Pfullingen, Honau, Lichtenstein · Schwäbische Alb
Am Albtrauf winden sich die Steigen aus dem Neckarland hinauf auf die Hochfläche. Die Honauer Steige führt direkt zum Schloss Lichtenstein auf seinem Felsen, die Steigen rund um Bad Urach sind die klassische Feierabendrunde der Stuttgarter. Oben wartet das ruhige Lautertal.
Tipp: Einzelne Steigen haben Beschränkungen für Motorräder. Auf die Schilder achten.
17.Hunsrückhöhenstraße
B327, ab Koblenz nach Südwesten · Hunsrück
Über den Kamm des Hunsrücks, schnell, offen und mit langen Bögen, hoch über Mosel und Nahe. Kein Kurvenfeuerwerk, aber der perfekte Rückweg nach einem Tag im Moseltal, und auf den Abfahrten in die Seitentäler wird es dann doch kurvig.
Tipp: Als Zweitagesrunde mit der Mosel kombinieren: hin am Fluss, zurück über die Höhe.
18.Hochrhönstraße und Wasserkuppe
Bischofsheim bis Fladungen, dazu die Auffahrt ab Gersfeld · Rhön
Eine der offensten Straßen Deutschlands: Über die Lange Rhön gibt es keine Hecken und kaum Bäume, nur Moor, Wiesen und Blicke in alle Richtungen. Dazu die flüssige Auffahrt von Gersfeld auf die Wasserkuppe, den höchsten Berg Hessens. Keine Kurvenstrecke, sondern eine zum Schauen, am schönsten am späten Nachmittag.
Tipp: Naturschutzgebiet mit vielen Wanderern. Ruhig und leise fahren, auf Seitenwind gefasst sein.
19.Pfälzerwald und Johanniskreuz
Annweiler bis Johanniskreuz, dazu das Dahner Felsenland · Pfälzerwald
Lange Waldkurven mitten durch eines der größten Waldgebiete Deutschlands, mit Burg Trifels über Annweiler und den roten Sandsteintürmen rund um Dahn. Johanniskreuz, eine Kreuzung im Wald mit Gasthaus, ist der Treffpunkt der Pfalz. Und an der Haardt wartet die Deutsche Weinstraße für den Rückweg.
Tipp: Die L499 durch das Elmsteiner Tal ist in der Saison an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt.
20.Nibelungenstraße und Neckartal
B47, Michelstadt bis Lindenfels, dazu die B37 am Neckar · Odenwald
Die Hausstrecke für Rhein-Main und Rhein-Neckar: Die B47 klettert aus dem Mümlingtal über einen bewaldeten Rücken nach dem anderen bis Lindenfels. Im Süden schwingt die B37 durch das tiefe Neckartal an Hirschhorn und Eberbach vorbei, mit Burgen über dem Fluss.
Tipp: Mehrere Odenwaldstrecken sind an Wochenenden für Motorräder gesperrt. Auf die Zusatzschilder achten.
Was eine gute Motorradstrecke ausmacht
Eine Straße wird nicht durch die Zahl ihrer Kurven gut, sondern durch ihren Rhythmus. Die besten Strecken in Deutschland haben gut lesbare Kurven, wenig Ortsdurchfahrten, ordentlichen Asphalt und eine Landschaft, wegen der du anhältst. Die B500 ist dafür das Lehrbuchbeispiel, das Bodetal im Harz oder das Schwarzatal in Thüringen zeigen die enge, technische Seite.
Dazu kommt das Drumherum: Die schönste Strecke ist nur halb so schön, wenn du abends kein Haus mit Garage und Trockenraum findest. Deshalb lohnt es sich, die Tour um einen guten Standort herum zu planen, statt jeden Abend umzuziehen. Alle Regionen mit Unterkünften findest du in der Übersicht der Motorradhotels in Deutschland.
Und noch etwas: Auf vielen beliebten Strecken gibt es Ärger mit Lärm und Unfällen, und einzelne Straßen sind für Motorräder zeitweise gesperrt. Wer ruhig, mit Serienauspuff und mit Rücksicht fährt, hilft mit, dass sie offen bleiben.
Häufige Fragen
Welche ist die schönste Motorradstrecke in Deutschland?
Die meisten Fahrer nennen die Schwarzwaldhochstraße B500 zwischen Baden-Baden und Freudenstadt: breite Kurven, Kammlage und Blicke bis zu den Vogesen. Wer Alpenstraßen sucht, fährt die Deutsche Alpenstraße vom Bodensee zum Königssee mit Oberjochpass, Sudelfeld und Rossfeld.
Wo kann man in Deutschland am besten Motorrad fahren?
Die großen Reviere sind der Schwarzwald, die Bayerischen Alpen mit dem Allgäu, der Harz, die Eifel rund um den Nürburgring, das Sauerland, die Mosel mit dem Hunsrück, der Thüringer Wald und die Schwäbische Alb. Dazu kommen Bayerischer Wald, Rhön, Odenwald, Pfälzerwald, Fränkische Schweiz und das Erzgebirge. Im Norden ist der Harz das nächste echte Mittelgebirge, im Westen sind es Eifel, Sauerland, Mosel und Pfalz, im Süden Schwarzwald, Alb und Alpen, im Osten Erzgebirge und Bayerischer Wald.
Was ist die höchste Passstraße Deutschlands?
Der Riedbergpass im Allgäu zwischen Obermaiselstein und Balderschwang, mit gut 1.400 Metern. Höher hinauf kommst du auf der mautpflichtigen Rossfeld-Panoramastraße bei Berchtesgaden, die bis auf rund 1.600 Meter führt, sie ist aber eine Panoramastraße und kein Pass.
Gibt es in Deutschland Fahrverbote für Motorräder?
Ja, auf einzelnen Strecken. Bekannte Beispiele sind die Schauinslandstraße bei Freiburg, die in der Saison an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt ist, und die Kesselbergstraße in Oberbayern mit zeitweiser Sperrung bergauf. Die Regeln ändern sich, prüf sie vor der Tour bei den zuständigen Landratsämtern und achte auf die Schilder vor Ort.
Wann ist die beste Zeit für eine Motorradtour in Deutschland?
Von Mai bis Oktober. In den Mittelgebirgen kann die Saison schon im April beginnen, auf den Höhen von Harz, Schwarzwald und Alpen liegt dann aber oft noch Schnee. Juni und September sind ideal: lange Tage, weniger Verkehr als in den Sommerferien und Hotels mit freien Zimmern.
Darf man mit dem eigenen Motorrad auf den Nürburgring?
Bei den Touristenfahrten auf der Nordschleife sind Motorräder derzeit ausgeschlossen, der Betreiber nennt Sicherheitsgründe. Für Motorräder gibt es aber geführte Trainings auf der Nordschleife und eigene Termine auf der Grand-Prix-Strecke. Die aktuellen Angebote und Regeln stehen auf nuerburgring.de.