Motorradurlaub in Frankreich: Handschuhpflicht, Helm-Reflektoren, Crit’Air und Maut
Frankreich hat mehr motorradspezifische Pflichten als jedes Nachbarland, und sie gelten auch für Urlauber aus Deutschland. Wer Handschuhe, Helmaufkleber, Warnweste und Crit’Air-Plakette geklärt hat, bekommt dafür günstigere Autobahnmaut als Autofahrer und einige der besten Straßen Europas.
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Auf einen Blick
- Handschuhe
- CE-geprüft, Pflicht für Fahrer und Sozius
- Helm
- Vier reflektierende Aufkleber
- Warnweste
- Mitführen, bei Panne oder Unfall anziehen
- Autobahnmaut
- Ja, Motorräder zahlen die günstigere Klasse 5
- Umweltzonen
- Crit’Air-Plakette, auch für deutsche Motorräder
Pflichtausrüstung: Handschuhe, Helm, Warnweste
Drei Regeln erwischen deutsche Urlauber jeden Sommer, und alle drei gelten auch für ausländische Fahrer:
- Handschuhe: Fahrer und Sozius müssen Motorradhandschuhe mit CE-Kennzeichnung nach EN 13594 tragen. Kurze Sommerhandschuhe sind in Ordnung, solange das Etikett stimmt.
- Helm-Reflektoren: Der Helm muss zugelassen sein und vier reflektierende Aufkleber tragen, vorn, hinten und je einen an jeder Seite. In Deutschland gekaufte Helme haben sie meist nicht. Aufkleber-Sets kosten im Zubehörhandel wenig und sind in fünf Minuten angebracht.
- Warnweste: Du musst eine zugelassene Warnweste dabeihaben und sie anziehen, wenn du nach einer Panne oder einem Unfall am Straßenrand stehst. Während der Fahrt musst du sie nicht tragen.
Die Details veröffentlichen die französische Verkehrssicherheitsbehörde Sécurité routière und das Regierungsportal Service-Public.
Autobahnmaut für Motorräder
Die meisten französischen Autobahnen (autoroutes) sind mautpflichtig. Bezahlt wird an der Mautstelle nach Strecke, eine Vignette gibt es nicht. Motorräder gehören zur Klasse 5 und zahlen deutlich weniger als Autos.
- Nimm die Spuren mit Kartensymbol oder die mit Personal. Eine Karte im Tankrucksack-Fenster spart das Handschuh-Ausziehen an jeder Schranke.
- Mautboxen gibt es auch fürs Motorrad, manche Betreiber berechnen damit aber den Pkw-Tarif. Frag nach, bevor du dich darauf verlässt.
Die schönen Strecken liegen ohnehin abseits: Nationalstraßen und Départementstraßen sind mautfrei, und dort findest du die Kurven.
Tempolimits
- Autobahn: 130 km/h, bei Regen 110 km/h
- Schnellstraßen mit Mitteltrennung: 110 km/h, bei Regen 100 km/h
- Landstraßen ohne Mitteltrennung: 80 km/h, wo ausgeschildert 90 km/h
- Innerorts: 50 km/h, viele Städte mit Tempo 30
Viele Départements haben einzelne Landstraßen wieder auf 90 km/h gesetzt. Geh von 80 aus, solange du kein Schild mit 90 siehst. Radarfallen sind häufig, und Bußgelder aus Frankreich werden in Deutschland zugestellt.
Durchschlängeln: erlaubt, mit Regeln
Frankreich erlaubt das Fahren zwischen den Fahrstreifen (circulation inter-files) inzwischen landesweit, aber nur unter Bedingungen:
- nur auf Straßen mit getrennten Richtungsfahrbahnen und mindestens Tempo 70;
- nur bei dichtem Verkehr und nur zwischen den beiden linken Fahrstreifen;
- höchstens 50 km/h, und höchstens 30 km/h, wenn eine Spur steht;
- nicht in Baustellen und nicht bei Schnee oder Eis.
Außerhalb dieser Regeln gilt Durchschlängeln als gefährliches Überholen.
Crit’Air und Umweltzonen (ZFE)
Mehrere französische Großstädte, darunter Paris und Lyon, haben Umweltzonen (ZFE). Dort, und bei Smogalarm auch in anderen Städten, brauchen Motorräder eine Crit’Air-Plakette, auch mit deutschem Kennzeichen. Die deutsche Umweltplakette zählt nicht.
Bestell die Plakette nur auf der offiziellen Seite certificat-air.gouv.fr über die Option für im Ausland zugelassene Fahrzeuge, und plan den Postweg ein. Nachgemachte Seiten verlangen ein Vielfaches. Die Regeln für die ZFE werden politisch gerade überarbeitet. Prüf vor einer Stadtdurchfahrt den aktuellen Stand. Wer nur Landstraßen und Autobahnen fährt, kommt oft ohne Plakette aus, sie ist aber günstig und erspart dir Umwege.
Die besten Regionen für Fahrer aus Deutschland
- Vogesen und Elsass: Von Freiburg oder Karlsruhe aus in einer Stunde da. Die Route des Crêtes beschreibt unser englischer Guide Vosges Route des Crêtes, Unterkünfte unter Motorradhotels in den Vogesen und im Elsass. Wer den Schwarzwald kennt, findet hier die ruhigere Schwester auf der anderen Rheinseite.
- Französische Alpen: Die Route des Grandes Alpes vom Genfersee ans Mittelmeer, dazu Bonette und Turini.
- Provence: Die Verdonschlucht ist im Frühjahr und Herbst ideal.
- Zentralmassiv und Pyrenäen: Auvergne und der Col du Tourmalet für alle, die weiter fahren wollen.
Saison und Tanken
Die Vogesen und das Zentralmassiv sind von Mai bis Oktober am schönsten, der Süden fast das ganze Jahr. Die hohen Alpen- und Pyrenäenpässe öffnen erst im Frühsommer, die höchsten oft spät im Juni. Supermarkt-Tankstellen sind meist am günstigsten, Autobahntankstellen am teuersten. Auf dem Land sind viele Stationen abends unbesetzt und nehmen nur Karten, nicht jede ausländische Karte funktioniert. Tank am Nachmittag, nicht um neun Uhr abends im Dorf.
Anreise aus Deutschland
Aus Süddeutschland überquerst du den Rhein bei Breisach, Neuenburg, Kehl oder weiter nördlich, und bist in wenigen Minuten im Elsass. Von dort führen die Straßen über die Vogesen in Richtung Burgund und Jura. Wer schnell in die Alpen oder die Provence will, fährt über die Autoroute durch das Rhônetal, für die Kurven nimmst du lieber den Weg über den Jura oder durch die Schweiz zum Genfersee. Aus dem Westen Deutschlands geht es über Saarbrücken und Lothringen oder durch Luxemburg.
Stadtdurchfahrten kosten Zeit und können eine Crit’Air-Plakette verlangen. Plan deine Route deshalb um die großen Städte herum, das ist auf dem Motorrad ohnehin schöner.
Fahren in Frankreich
Französische Motorradfahrer grüßen sich gern, oft mit einem kurzen Fuß zur Seite, wenn ein Auto Platz macht. Viele Autofahrer fahren auf der Landstraße an den rechten Rand, damit du überholen kannst. Ein kurzes Danke mit Hand oder Fuß gehört dazu.
Achte auf die Vorfahrt: In manchen Orten und auf kleinen Straßen gilt noch rechts vor links (priorité à droite), auch wenn die Straße wie eine Hauptstraße aussieht. Im Kreisverkehr hat in der Regel der Verkehr im Kreis Vorfahrt. Mittags zwischen zwölf und zwei ist das Land wie leer gefegt, weil ganz Frankreich isst. Für dich heißt das: freie Straßen, aber geschlossene Geschäfte und manchmal auch Tankstellen ohne Personal.
Häufige Fragen
Gilt die Handschuhpflicht in Frankreich auch für deutsche Motorradfahrer?
Ja. Fahrer und Sozius müssen Motorradhandschuhe mit CE-Kennzeichnung tragen, egal wo das Motorrad zugelassen ist.
Brauche ich Reflektoren am Helm in Frankreich?
Ja. Der Helm muss vier reflektierende Aufkleber tragen, vorn, hinten und an beiden Seiten. Die Regel gilt auch für ausländische Fahrer.
Brauche ich mit dem Motorrad eine Crit’Air-Plakette?
In französischen Umweltzonen (ZFE) und bei Smogalarm ja, auch mit deutschem Kennzeichen. Bestell sie nur auf certificat-air.gouv.fr.
Wie viel Maut zahlen Motorräder in Frankreich?
Motorräder zahlen die Klasse 5 und damit deutlich weniger als Autos. Eine Vignette gibt es nicht, abgerechnet wird nach Strecke an der Mautstelle.
Offizielle Quellen
- Sécurité routière: Ausrüstung und Durchschlängeln
- Service-Public: Pflichtausrüstung für Motorradfahrer
- Certificat Crit’Air: offizielle Bestellseite
Regeln ändern sich. Prüf vor der Fahrt die Seiten von Sécurité routière und certificat-air.gouv.fr.