Motorradurlaub in der Schweiz: Vignette, Tempo, Pässe und was die Polizei teuer macht
Kein Land packt so viele große Pässe auf so wenig Fläche wie die Schweiz. Dafür kontrolliert auch kein Nachbarland so konsequent. Wer Vignette, Tempolimits und die Navi-Einstellungen im Griff hat, erlebt hier die besten Passtage der Alpen.
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Auf einen Blick
- Vignette
- Pflicht auf Autobahnen, nur als Jahresvignette
- E-Vignette
- An das Kennzeichen gebunden, sofort gültig
- Tempolimits
- 50 Ort / 80 Land / 100 Autostraße / 120 Autobahn
- Durchschlängeln
- Verboten
- Hochpässe
- Meist Juni bis Oktober offen
Papiere, Zoll und Versicherung
Die Schweiz ist nicht in der EU, aber dein deutscher Führerschein und die deutsche Zulassung gelten ohne Weiteres. Die Grüne Karte ist nicht vorgeschrieben, weil die Schweiz zum System der Grünen Karte ohne Kontrollpflicht gehört. Nimm sie trotzdem mit. An der Grenze gibt es Zollkontrollen: Für normales Reisegepäck kein Thema, bei Neuteilen fürs Motorrad oder größeren Einkäufen solltest du die Freigrenzen kennen.
Die Schweizer Vignette
Motorräder brauchen auf Schweizer Autobahnen und Autostraßen eine Vignette. Es gibt nur eine Jahresvignette, gültig vom 1. Dezember des Vorjahres bis zum 31. Januar des Folgejahres. Eine Kurzzeitvignette gibt es nicht, auch nicht für eine einzige Durchfahrt.
- Die E-Vignette kaufst du im offiziellen Portal Via des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). Sie hängt am Kennzeichen und gilt sofort.
- Die Klebevignette gilt nur für das Fahrzeug, auf dem sie klebt. Am Motorrad gehört sie an ein fest verbautes, gut sichtbares Teil.
Auf den Pass- und Hauptstraßen brauchst du keine Vignette. Wer von Lörrach, Konstanz oder Lindau auf Landstraße einreist, kommt an viele Pässe auch ohne Autobahn. Für die schnelle Anfahrt nach Graubünden oder ins Wallis führt aber meist kein Weg an der Autobahn vorbei.
Tempolimits und Strafen
- Innerorts: 50 km/h, in vielen Orten Zonen mit 30 km/h
- Außerorts: 80 km/h
- Autostraßen: 100 km/h
- Autobahnen: 120 km/h
Die Bußen steigen in der Schweiz schnell, und bei groben Überschreitungen droht ein Strafverfahren statt eines Strafzettels. Auf beliebten Pässen wird an Sommerwochenenden gezielt kontrolliert, auch auf Lärm.
Blitzerwarner sind verboten. Geräte und Apps, die vor Radarkontrollen warnen, darfst du in der Schweiz nicht benutzen. Schalte die Blitzerwarnung im Navi oder in der Handy-App vor der Grenze ab.
Kolonnen, Stau und Fahren in der Gruppe
Durchschlängeln im Stau ist verboten. Du bleibst in der Kolonne, auch wenn der Verkehr steht, und Vorbeifahren an der stehenden Kolonne wird an Ort und Stelle gebüßt. Motorräder dürfen auch nicht nebeneinander auf einem Fahrstreifen fahren: in der Gruppe versetzt oder hintereinander.
Auf vielen Passstraßen fahren die gelben Postautos. Sie nehmen in den Kehren die ganze Breite ein, und ihr Dreiklanghorn heißt: anhalten und Platz machen. In engen Kehren hat das Postauto Vortritt.
Wann die Pässe offen sind
Die Hochpässe haben Wintersperren. Furka, Grimsel und Nufenen öffnen meist im Juni, in schneereichen Jahren auch erst Ende Juni. Susten und Großer St. Bernhard folgen oft etwas später. Geschlossen wird mit dem ersten großen Schneefall, irgendwann zwischen Anfang Oktober und Mitte November. Auch im Sommer kann ein Pass nach Neuschnee einen Tag zu sein. Den aktuellen Stand zeigt der Pass-Bericht des TCS (Touring Club Schweiz). Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Alpenpässen und ihren Öffnungszeiten.
Die besten Regionen
- Furka, Grimsel, Susten: die bekannteste Drei-Pässe-Runde der Alpen, rund um Andermatt, Gletsch und Innertkirchen. Beschrieben in unserem englischen Guide Furka, Grimsel und Susten.
- Gotthard und Nufenen: die gepflasterte Tremola und der Weg ins Tessin, siehe Gotthard, Tremola und Nufenen.
- Wallis und Großer St. Bernhard: der Weg nach Aosta, siehe Großer St. Bernhard.
- Graubünden: Flüela, Albula, Bernina und Ofenpass, mit dem Umbrail als Zugang zum Stilfser Joch.
Saison und Tanken
Für die großen Pässe ist die beste Zeit Ende Juni bis Mitte September. Im Frühjahr und Spätherbst bleiben die Seen und der Jura. Tankstellen gibt es in den Tälern genug, nachts und am Sonntag oft nur mit Karte am Automaten. Kalt wird es schnell: In den Galerien und Tunneln vor den Pässen ist es auch im August frisch, und oben liegen oft 15 Grad weniger als im Tal.
Anreise aus Deutschland
Aus Baden-Württemberg fährst du über Basel, Schaffhausen oder Konstanz ein, aus Bayern meist über Lindau und Bregenz, wobei du dann ein kurzes Stück durch Österreich fährst. Die A14 ist von der Grenze bis Hohenems vignettenfrei, danach brauchst du die österreichische Vignette. Mehr dazu auf unserer Seite Motorradurlaub in Österreich. Wer aus dem Schwarzwald kommt, ist in gut zwei Stunden am Vierwaldstättersee und am Fuß der großen Pässe.
In der Schweiz zahlst du in Franken. Fast überall geht Kartenzahlung, auch an Tankautomaten, aber etwas Bargeld für Bergbeizen und Parkautomaten schadet nicht. Die Preise für Essen und Übernachtung liegen deutlich über deutschem Niveau. Viele Fahrer übernachten deshalb in den Nachbarländern und fahren für die Pässe herüber, etwa von Tirol aus in Richtung Graubünden.
So planst du einen Schweizer Passtag
Der Klassiker ist die Runde über Furka, Grimsel und Susten, rund 130 Kilometer, für die du trotzdem einen ganzen Tag brauchst. Starte früh: Ab dem späten Vormittag füllen sich die Pässe an schönen Wochenenden mit Autos, Wohnmobilen und Bussen, und die Kehren werden zur Kolonne. Unter der Woche im Juni oder September ist dieselbe Runde ein ganz anderes Erlebnis.
Die Temperatur fällt mit jedem Höhenmeter. Im Tal sind es 25 Grad, auf dem Pass über 2.000 Metern oft nur wenige Grad über null. Plan die Pausen auf den Passhöhen ein, wo Hotels und Restaurants stehen, und tank im Tal, bevor du hochfährst.
Häufige Fragen
Brauche ich mit dem Motorrad eine Vignette in der Schweiz?
Ja, für Autobahnen und Autostraßen. Es gibt nur die Jahresvignette, als E-Vignette am Kennzeichen oder als Klebevignette. Auf Pass- und Hauptstraßen brauchst du keine.
Gibt es eine 10-Tages-Vignette für die Schweiz?
Nein. Die Schweiz verkauft nur die Jahresvignette, gültig vom 1. Dezember des Vorjahres bis zum 31. Januar des Folgejahres, auch wenn du nur einen Tag durchfährst.
Darf ich in der Schweiz im Stau durchschlängeln?
Nein. Motorräder müssen in der Kolonne bleiben, auch wenn der Verkehr steht. Vorbeifahren an der Kolonne wird an Ort und Stelle gebüßt.
Darf ich in der Schweiz eine Blitzer-App nutzen?
Nein. Geräte und Apps, die vor Radarkontrollen warnen, sind in der Schweiz verboten. Schalte die Warnfunktion im Navi vor der Grenze ab.
Offizielle Quellen
Regeln ändern sich. Prüf vor der Fahrt die Vignettenseiten des BAZG und den Passbericht des TCS.