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Motorradurlaub in Österreich: Vignette, Maut, Lärmfahrverbote und die besten Regionen

Österreich ist für deutsche Motorradfahrer das Tor zu den Alpen: Großglockner, Tirol, Kärnten und dahinter die Dolomiten. Wer die Maut versteht und weiß, wo laute Maschinen nicht fahren dürfen, spart sich am Straßenrand teure Gespräche mit der Polizei.

Veröffentlicht

Auf einen Blick

Vignette
Pflicht auf Autobahnen und Schnellstraßen (eigener Motorradtarif)
Laufzeiten
1 Tag (nur digital), 10 Tage, 2 Monate, 1 Jahr
Extra-Maut
Brenner, Tauern, Pyhrn, Karawanken, Arlberg, Alpenstraßen
Tempolimits
50 Ort / 100 Land / 130 Autobahn
Lärmfahrverbot
Über 95 dB(A) Standgeräusch, Bezirk Reutte, Mitte April bis Ende Oktober

Papiere und Versicherung

Mit deutschem Führerschein, Zulassungsbescheinigung Teil I und Personalausweis bist du in Österreich gut aufgestellt. Die Grüne Karte ist innerhalb der EU nicht vorgeschrieben, hilft aber nach einem Unfall, weil sie alle Versicherungsdaten auf einem Blatt hat. Viele Versicherer stellen sie auf Anfrage kostenlos aus. Ein Auslandsschutzbrief, der den Rücktransport des Motorrads abdeckt, lohnt sich für jede Alpentour.

Die Motorradvignette

Für Autobahnen und Schnellstraßen brauchst du in Österreich eine Vignette, und für Motorräder gibt es einen eigenen, günstigeren Tarif. Zur Wahl stehen:

  • Tagesvignette: nur digital, sofort gültig. Ideal, wenn du nur ein kurzes Stück Autobahn zum Pass brauchst.
  • 10-Tages-Vignette: die klassische Wahl für eine Urlaubswoche, digital sofort gültig.
  • 2-Monats- und Jahresvignette: Kaufst du sie digital im Webshop oder in der App der ASFINAG, gilt sie wegen des Rücktrittsrechts für Verbraucher erst ab dem 18. Tag nach dem Kauf. An einer Verkaufsstelle oder Mautstelle gekauft, gilt sie sofort.

Die digitale Vignette hängt am Kennzeichen. Tipp das Kennzeichen und das Zulassungsland genau ein, denn ein Tippfehler macht sie ungültig. Kauf sie direkt bei der ASFINAG oder an offiziellen Verkaufsstellen. Wiederverkäufer im Netz verlangen oft eine Gebühr obendrauf.

Wichtig für Grenzgänger: Drei kurze Autobahnstücke direkt hinter der deutschen Grenze sind vignettenfrei, die A12 bis Kufstein-Süd, die A1 vom Walserberg bis Salzburg-Nord und die A14 von Hörbranz bis Hohenems samt Pfändertunnel. Fährst du darüber hinaus, brauchst du die Vignette. Wer nur Landstraße fährt, braucht keine. Von Garmisch über Ehrwald oder von Berchtesgaden nach Lofer erreichst du viele Ziele ohne Autobahn.

Streckenmaut und Alpenstraßen

Einige Strecken kosten zusätzlich zur Vignette Maut: die A13 Brennerautobahn, die A10 Tauernautobahn, die A9 Pyhrnautobahn, die A11 Karawankenautobahn und die S16 Arlberg-Schnellstraße mit dem Tunnel. Bezahlt wird an der Mautstelle, der Motorradtarif steht bei der ASFINAG.

Die berühmten Panoramastraßen sind private Mautstraßen mit eigenem Ticket, unabhängig von der Vignette. Dazu gehören die Großglockner-Hochalpenstraße, die Nockalmstraße und die Timmelsjoch-Hochalpenstraße. Sie haben Wintersperren, und das Timmelsjoch ist auch im Sommer nachts gesperrt. Unsere Großglockner-Tour beschreibt die Runde ab Zell am See samt Maut-Tipps.

Tempolimits und Strafen

  • Im Ortsgebiet: 50 km/h
  • Freiland: 100 km/h
  • Autobahn: 130 km/h

Auf manchen Autobahnabschnitten gilt nach dem Immissionsschutzgesetz Luft (IG-L) ein niedrigeres Limit, oft 100 km/h, angezeigt auf Schildern oder Überkopfanzeigen. Bei extremen Überschreitungen kann Österreich inzwischen das Fahrzeug beschlagnahmen. Auf leeren Passstraßen wird regelmäßig kontrolliert.

Sobald der Verkehr auf Autobahnen und Schnellstraßen stockt, musst du eine Rettungsgasse bilden, wie oesterreich.gv.at erklärt. Mit dem Motorrad durch die Rettungsgasse zu fahren ist verboten und wird hart bestraft.

Lärmfahrverbot in Tirol

Im Bezirk Reutte, dem Außerfern, dürfen Motorräder mit einem Standgeräusch über 95 dB(A) laut Zulassungsschein auf bestimmten Strecken nicht fahren. Das Verbot gilt jedes Jahr von Mitte April bis Ende Oktober, auch für Motorräder aus Deutschland. Betroffen waren bisher:

  • die Lechtalstraße (B198)
  • die Tannheimer Straße (B199)
  • die Straße Berwang–Namlos (L21)
  • das Hahntennjoch (L72 und L246)
  • die Straße nach Bschlabs (L266)

Die Fernpassstraße (B179) gehört nicht dazu. Den Wert findest du in der Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld U.1. Die Polizei kontrolliert an der Straße, und das Bußgeld ist deutlich. Welche Straßen in der laufenden Saison betroffen sind, steht beim Land Tirol. Wenn dein Motorrad über dem Wert liegt, plan über den Fernpass oder das Inntal.

Die besten Regionen

  • Tirol: Ötztal und Timmelsjoch, Kaunertaler Gletscherstraße, Lechtal und Hahntennjoch, dazu der kurze Weg über den Brenner nach Südtirol. Unterkünfte findest du unter Motorradhotels in Tirol. Für die Kombination mit Südtirol hilft unser englischer Guide zu Timmelsjoch und Jaufenpass.
  • Salzburger Land und Hohe Tauern: Großglockner, Gerlos und das Saalachtal. Die Großglockner-Tour ist der Klassiker.
  • Kärnten: Nockalmstraße, Turracher Höhe und die Seen. Ruhiger als Tirol und gut mit Slowenien zu verbinden.
  • Anfahrt aus Bayern: Die Deutsche Alpenstraße endet in Berchtesgaden, von dort bist du schnell in Salzburg oder im Pinzgau.

Alle Unterkünfte in Österreich: Motorradhotels in Österreich.

Saison und Tanken

Die Täler sind von April bis Oktober gut zu fahren. Die Hochalpenstraßen öffnen je nach Schnee meist im Mai oder Juni und schließen mit dem ersten großen Wintereinbruch im Oktober oder Anfang November. Juni und September sind die besten Monate: offen, warm genug und deutlich weniger Wohnmobile. Tankstellen gibt es in den Tälern genug, auf den Passstraßen selbst fast keine. Tank vor dem Pass voll, nicht danach.

Unterwegs auf Österreichs Bergstraßen

Viele Almstraßen führen durch offene Weiden, und Kühe stehen dort gern mitten auf der Fahrbahn, gern auch hinter einer Kehre. Ein Weiderost quer über die Straße kündigt das an. Fahr in solchen Abschnitten so, dass du vor jedem Hindernis anhalten kannst, und lass den Tieren Zeit.

In den Tälern sind die Tunnel oft lang und kühl. Ein getöntes Visier macht sie zur Blindfahrt, deshalb ist ein klares Visier mit Sonnenblende im Helm die bessere Wahl. Auf den bekannten Pässen teilst du dir die Straße im Sommer mit Reisebussen, Wohnmobilen und vielen Rennradfahrern. Halte in den Kehren deine Spur, denn entgegenkommende Busse brauchen die ganze Breite.

Die meisten Österreicher grüßen auf dem Motorrad zurück, auch der Wirt freut sich über Gäste auf zwei Rädern. Was die Stimmung in den Dörfern kippen lässt, ist Lärm. Ein leiser Auspuff und niedrige Drehzahlen im Ort sorgen dafür, dass die Straßen für uns offen bleiben, und sie sind der beste Grund, warum Tirol nicht noch mehr Strecken sperrt.

Häufige Fragen

Brauche ich mit dem Motorrad in Österreich eine Vignette?

Ja, auf Autobahnen und Schnellstraßen. Es gibt eine eigene Motorradvignette für 1 Tag (nur digital), 10 Tage, 2 Monate oder ein Jahr. Auf Landstraßen und Passstraßen brauchst du keine Vignette, die Panoramastraßen kosten aber eigene Maut.

Warum gilt meine online gekaufte Jahresvignette erst nach 18 Tagen?

Digitale 2-Monats- und Jahresvignetten, die online gekauft werden, gelten wegen des Rücktrittsrechts für Verbraucher erst ab dem 18. Tag. Tages- und 10-Tages-Vignetten gelten sofort, ebenso jede Vignette, die du an einer Verkaufsstelle kaufst.

Wo gilt das Lärmfahrverbot für Motorräder in Tirol?

Im Bezirk Reutte auf festgelegten Straßen, darunter Lechtalstraße, Tannheimer Straße und Hahntennjoch, von Mitte April bis Ende Oktober. Betroffen sind Motorräder mit mehr als 95 dB(A) Standgeräusch laut Zulassungsschein. Die Fernpassstraße gehört nicht dazu.

Deckt die Vignette die Brennerautobahn ab?

Nein. Brenner, Tauern, Pyhrn, Karawanken und die Arlberg-Schnellstraße kosten zusätzlich Streckenmaut.

Offizielle Quellen

Regeln und Tarife ändern sich. Prüf vor der Fahrt die Seiten der ASFINAG und des Landes Tirol.

Motorradfreundlich übernachten