Motorradfahren im Regen: sicher ankommen und die Ausrüstung über Nacht trocken bekommen
Auf einer Motorradreise regnet es irgendwann. Das ist kein Grund, den Tag abzuschreiben. Wer weiß, wie sich das Motorrad auf nassen Straßen verhält, und abends einen Plan zum Trocknen hat, fährt am nächsten Morgen wieder mit trockenen Füßen los.
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Fahren auf nasser Straße
Moderne Reifen haben auf nassem Asphalt erstaunlich viel Grip. Gefährlich sind die Stellen, an denen der Grip plötzlich fehlt:
- Die ersten Minuten Regen: Nach einer Trockenphase schwemmt der Regen Öl und Gummiabrieb hoch. Dann ist die Straße rutschiger als nach einer Stunde Dauerregen.
- Markierungen, Kanaldeckel, Bitumenstreifen: bei Nässe wie Eis. Nicht darauf bremsen und nicht in Schräglage darüber.
- Kopfsteinpflaster und Laub: etwa in den Kehren am Vršič oder im Herbst in den Ardennen.
- Tunnel: In langen Tunneln, zum Beispiel in Norwegen, liegt oft ein feuchter, schmieriger Film.
Fahr runder: früher und sanfter bremsen, weniger Schräglage, mehr Abstand. Gleichmäßiges Gas am Kurvenausgang statt ruckartigem Aufziehen. Mit ABS und Traktionskontrolle hast du Reserven, aber keine Garantie.
Sicht und gesehen werden
Ein beschlagenes Visier ist bei Regen gefährlicher als die nasse Straße. Ein Pinlock-Einsatz hält das Visier innen klar. Ein Antibeschlagtuch oder ein Tropfen Spülmittel helfen notfalls. Regenabweisende Beschichtungen außen sorgen dafür, dass die Tropfen bei Tempo abperlen. Ein getöntes Visier ist bei Regen und in Tunneln fehl am Platz, pack ein klares ein.
Autofahrer sehen dich bei Regen schlechter. Eine helle Regenkombi oder eine Warnweste über der Jacke macht einen großen Unterschied, vor allem auf Autobahnen mit Gischt.
Was wirklich dicht hält
Membranjacken und -hosen halten Regen eine Weile ab. Nach Stunden auf der Autobahn drückt das Wasser aber durch Nähte, Kragen und Ärmel. Eine einfache Regenkombi oder Regenjacke und -hose über der Motorradkleidung ist auf Reisen deshalb Pflicht. Sie hält auch den Fahrtwind ab und wärmt.
- Handschuhe: Ein wasserdichtes Paar plus ein Ersatzpaar. Nasse Handschuhe werden auf einem Pass schnell gefährlich kalt.
- Stiefel: Regenhose über den Stiefelschaft, nicht hinein, sonst läuft das Wasser direkt in den Stiefel.
- Hals: Ein Schlauchschal oder Kragenabschluss stoppt das Wasser, das am Hals hineinläuft.
Zieh die Regenkombi an, bevor es richtig regnet. Sobald die Kleidung darunter nass ist, hilft sie nur noch gegen den Wind.
Ausrüstung im Hotel trocknen
Bis zum Morgen bekommst du fast alles trocken, wenn du gleich nach der Ankunft anfängst:
- Frag nach dem Trockenraum. Viele Motorradhotels haben einen Heizraum, einen Trockenraum oder Schuhtrockner. Mehr dazu im Ratgeber Motorradhotel: worauf achten.
- Stiefel: Einlegesohlen raus, Zeitungspapier fest hineinstopfen und nach einer Stunde wechseln. Nicht direkt auf die heiße Heizung stellen, Leder wird sonst hart und rissig.
- Handschuhe: Auf links drehen, wenn das Futter es zulässt, oder über einen warmen, nicht heißen Gegenstand hängen. Ein Föhn auf niedriger Stufe hilft.
- Jacke und Hose: Futter herausnehmen und getrennt aufhängen, Taschen öffnen, auf Bügel über die Heizung oder vor ein offenes Fenster.
- Handtuch-Trick: Nasse Funktionswäsche in ein trockenes Handtuch einrollen, fest auswringen und dann aufhängen. So trocknet sie über Nacht.
Regentage einplanen
Bei einem langen Regentag in den Alpen sind die Pässe oft wolkenverhangen und kalt. Dann lohnt es sich, die Etappe zu kürzen oder einen Ruhetag einzulegen. Ein Puffer von einem Tag pro Woche macht das möglich, siehe Motorradurlaub planen. Mit einem festen Standort ist ein Regentag kein Problem: Du fährst am nächsten Tag die Runde, die du verpasst hast. Bei Gewitter in der Höhe gilt: runter vom Pass und abwarten, nicht durchfahren.
Besonders regenreich ist die Westküste Norwegens, mehr dazu auf der Seite Motorradurlaub in Norwegen. Was ins Gepäck gehört, steht in der Packliste für die Motorradreise.
Nass und kalt: die eigentliche Gefahr
Regen allein ist selten das Problem, Regen und Kälte zusammen schon. Wer nass auf einen Pass fährt, kühlt im Fahrtwind schnell aus. Kalte Finger bremsen schlechter, und ein unterkühlter Kopf trifft schlechtere Entscheidungen. Achte auf die Warnzeichen: Zittern, steife Finger, Konzentrationsprobleme. Dann ist es Zeit für eine warme Pause, nicht für den nächsten Pass.
Heizgriffe oder beheizbare Handschuhe sind auf Alpen- und Norwegenreisen ein großer Gewinn. Eine warme Schicht unter der Regenkombi, ein heißer Tee an der Passhöhe und trockene Ersatzhandschuhe helfen auch ohne Technik.
Elektronik und Gepäck schützen
Handy und Navi am Lenker halten Regen meist aus, die Steckverbindungen der Ladekabel oft nicht. Eine Schutzkappe oder ein Tropfen Kontaktspray hilft. Papiere, Geld und Ersatzkleidung gehören in wasserdichte Beutel, auch in Koffern, die als dicht gelten. Pack die Regenkombi immer oben ins Gepäck, damit du sie in zwei Minuten am Straßenrand anhast.
Das Motorrad nach dem Regen
Nach einem nassen Tag braucht auch das Motorrad etwas Pflege. Die Kette wird vom Wasser ausgewaschen, sprüh sie abends oder am nächsten Morgen nach. Streusalz gibt es im Sommer zwar nicht, aber Schmutz und Bremsstaub setzen sich fest, ein kurzes Abspülen am Waschplatz des Hotels hilft. Prüf vor der Abfahrt die Bremsen: Nasse Scheiben brauchen ein, zwei Bremsungen, bis sie wieder voll packen.
Häufige Fragen
Wann ist die Straße bei Regen am rutschigsten?
In den ersten Minuten nach Regenbeginn, wenn Öl und Gummiabrieb hochgeschwemmt werden. Dazu kommen Markierungen, Kanaldeckel, Bitumenstreifen, Kopfsteinpflaster und Laub.
Wie trockne ich Motorradstiefel über Nacht?
Einlegesohlen herausnehmen, Zeitungspapier hineinstopfen und nach einer Stunde wechseln. Nicht direkt auf die heiße Heizung stellen, sonst wird Leder hart.
Reicht eine Membranjacke bei Regen?
Für kurze Schauer ja. Nach Stunden im Dauerregen drückt Wasser durch Nähte und Öffnungen. Auf Reisen gehört eine Regenkombi über die Motorradkleidung ins Gepäck.